Die Geschichte des Alevitentums

Die Geschichte des Alevitentums

Die Geschichte des Alevitentums erstreckt sich über eine weite Geografie von Mesopotamien über Chorasan und Zentralasien bis nach Anatolien. Sie ist eine Verschmelzung der sufistischen Interpretation des Islam, alter türkischer Glaubensvorstellungen und der antiken Kultur Anatoliens. Diese Geschichte ist nicht nur eine Abfolge von Ereignissen, sondern auch die Widerstandsgeschichte großer Pirs (geistiger Führer), Dichter und Unterdrückter.

Die Geschichte des Alevitentums und die Persönlichkeiten, die diesen Weg geprägt haben, lassen sich unter folgenden Überschriften untersuchen:

1. Historische Wendepunkte und Wurzeln

Die Geburt des Islam und die Welayat: Die historischen Wurzeln des Alevitentums liegen in den Kalifatsdiskussionen nach dem Tod des Propheten Mohammed und dem Konzept der „Welayat“ (die spirituelle Führung von Hz. Ali). Die Weisheit und Gerechtigkeit von Hz. Ali bilden das Fundament des alevitischen Glaubens.

Das Ereignis von Kerbela (680): Das Martyrium von Imam Hussein, dem Enkel des Propheten Mohammed, der sich zusammen mit 72 Gefährten der Unterdrückung durch den Umayyaden-Kalifen Yazid widersetzte, ist der größte historische Bruch im Alevitentum. Kerbela ist seit jenem Tag das Symbol für den ehrenvollen Widerstand der Unterdrückten gegen die Unterdrücker.

Übergang nach Chorasan und Anatolien: Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert sorgten turkmenische Stämme und die „Heiligen von Chorasan“ (Horasan Erenleri), die über Chorasan nach Anatolien kamen, für die Institutionalisierung des Alevitentums auf anatolischem Boden. In diesem Prozess verschmolzen alte türkische Traditionen (Schamanismus / Kamluk) in einem sufistischen Schmelztiegel.

2. Wichtige Persönlichkeiten der alevitischen Geschichte

A. Grundlegende Führer:

Hz. Ali: Das „Tor des Wissens“ und der König der Gerechtigkeit. Er ist der Mürşid (Lehrmeister) des Weges und der spirituelle Erbe des Propheten Mohammed.

Imam Hussein: Aufgrund seines Widerstands in Kerbela wird er als „Schah-i Schahidan“ (König der Märtyrer) bezeichnet. Er repräsentiert das Prinzip, sich dem Unrecht niemals zu beugen.

B. Anatolische Pirs:

Hacı Bektaş Veli (13. Jh.): Er ist die „Serçeşme“ (Hauptquelle) des alevitisch-bektaschitischen Weges. Er spielte eine große Rolle bei der Islanisierung und Türkisierung Anatoliens. Mit Grundsätzen wie „Selbst wenn du verletzt wirst, verletze niemanden“ und „Beherrsche deine Hand, deine Lenden und deine Zunge“ systematisierte er den Glauben.

Abdal Musa: Einer der bedeutendsten Kalifen von Hacı Bektaş Veli. Er verbreitete den Weg durch das von ihm gegründete Derwischkloster in Elmalı (Antalya) und begründete die Tradition des „Abdal Musa Cem“.

C. Die sieben großen Dichter (Yedi Ulu Ozan):
Der alevitische Glaube wurde weniger durch schriftliche Quellen als vielmehr durch die „Nefes“ (spirituelle Lieder) der Ozan (Volksdichter) überliefert:

Seyyid Nesimi (14. Jh.): Er wurde geschunden (häutet), weil er verteidigte, dass der Mensch eine Offenbarung Gottes ist (Enel Hakk).

Schah Ismail Hatayi (16. Jh.): Gründer des Safawiden-Reiches. Er hinterließ mit seiner politischen und literarischen Identität tiefe Spuren.

Fuzuli (16. Jh.): Bekannt für sein Werk „Hadikatü’s-Süeda“ über Kerbela und seine Liebe zum Ehl-i Beyt (Familie des Propheten).

Yemini, Virani, Pir Sultan Abdal (die Stimme des sozialen Widerstands) und Kul Himmet.

3. Das Ocak-System (Das Herd-System)

Der wichtigste Baustein ist das „Ocak-System“. Das Alevitentum wurde über Hunderte von „Oçaks“ (spirituelle Zentren) weitergegeben, die von „Dedes“ (geistlichen Führern) geleitet werden, von denen man glaubt, dass sie von der Linie des Propheten Mohammed (Seyyid) abstammen.

4. Frauenfiguren: Die „Anabacı“-Tradition

Frauen waren nicht nur Begleiterinnen, sondern aktive Wegbereiterinnen, wie Kadıncık Ana (Gefährtin von Hacı Bektaş Veli) und Anşa Bacı.

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Dogan Buyukbas
Dogan Buyukbas
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