Das Hızır-Fasten (Hızır Orucu)

Das Hızır-Fasten (Hızır Orucu)

Das Hızır-Fasten ist ein antiker Gottesdienst, der in der anatolischen und mesopotamischen Kultur, insbesondere im alevitischen Glauben, einen sehr wichtigen Stellenwert einnimmt. Dieses Fasten, das direkt mit der Lebensphilosophie von Persönlichkeiten wie Elif Ana (Güte, Hilfe für Menschen in Not) verbunden ist, bedeutet nicht nur Verzicht auf Nahrung, sondern ist eine Zeit der geistigen Reinigung und Solidarität.

Hier sind die grundlegenden Informationen über das Hızır-Fasten:

1. Wann wird gefastet?

Das Hızır-Fasten findet in der Regel in der zweiten Februarwoche nach dem gregorianischen Kalender statt. In dieser Zeit wird entweder 3 oder 7 Tage lang gefastet.

2. Wer ist Hızır?

Dem Glauben nach ist Hızır ein weiser Mann mit lichtvollem Antlitz, der das „Wasser der Unsterblichkeit“ (Ab-ı Hayat) getrunken hat, auf einem Schimmel (graues Pferd) reitet und denjenigen zu Hilfe eilt, die in Not sind. Redewendungen wie „Möge Hızır deine Hand berühren“ oder „Hızır eilt erst herbei, wenn der Diener in Bedrängnis gerät“ spiegeln diesen Glauben im Alltag wider. Hızır ist ein Symbol für Fülle, Fruchtbarkeit und Frieden.

3. Bedeutung und Zweck des Fastens

  • Beistand für die Notleidenden: Es wird im Februar gehalten, wenn harte Winterbedingungen herrschen und sowohl die Natur als auch der Mensch in Bedrängnis sind.
  • Dankbarkeit und Gelübde: Es wird gehalten, um ein Versprechen (Gelübde/Adak) zu erfüllen oder um Beistand von Gott (Hak) zu erbitten, um von einem Leid befreit zu werden.
  • Spirituelle Reinigung: Im Kern geht es darum, das eigene Ego (Nefs) zu bändigen und sich von Klatsch, bösen Worten und Verbotenem (Haram) fernzuhalten.

4. Wie wird der Gottesdienst vollzogen?

  • Das Fasten: Drei Tage lang wird von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts gegessen oder getrunken.
  • Hızır Lokması / Kovut: Am letzten Fastentag (Donnerstagabend oder Freitag) wird eine besondere Speise zubereitet. In manchen Regionen wird diese Speise „Kovut“ genannt (eine Art Halva aus geröstetem und gemahlenem Weizen). Diese Gaben (Lokma) werden mit Nachbarn und Bedürftigen geteilt.
  • Cem-Zeremonie: Am Donnerstagabend (Freitagnacht) findet in den Cem-Häusern (Cemevleri) der „Hızır-Cem“ statt. Es werden religiöse Lieder (Deyişler) gesungen, der Semah-Tanz aufgeführt und Gespräche zur Förderung der Einheit geführt.

5. Einige Bräuche und Überzeugungen

  • Traum und Schicksal: Unverheiratete junge Menschen gehen in der letzten Fastennacht schlafen, ohne Wasser zu trinken. Man glaubt, dass die Person, die ihnen im Traum Wasser reicht, ihr zukünftiger Ehepartner sein wird.
  • Auf Hızır warten: Während der Fastenzeit bleiben die Türen für Gäste offen. Es besteht der Glaube, dass Hızır in der Gestalt eines „fremden Gastes“ erscheinen und Segen an den Tisch bringen könnte.

„Mögen die Gaben (Lokma) derer, die das Hızır-Fasten halten, angenommen werden, und möge Hızır der Helfer aller sein, die in Not sind.“

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Dogan Büyükbaş
Dogan Büyükbaş
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